Was ist Medizin 4.0?

Die viel diskutierte „Ökonomisierung“ des Gesundheitssektors ist nicht Folge veränderter politischer Programmatik, sondern der sich wandelnden Gesellschaftsbedingungen. Die steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen bei begrenzten finanziellen Mitteln aus dem Sozialtransfer erzwingt seit etwa 25 Jahren die steigende Beachtung ökonomischer Prinzipien. So wie in der Entwicklung des Internets mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen wurden, erleben wir derzeit eine grundlegende Veränderung der Praxis der Medizin, insbesondere im Krankenhaus. Seit einem Jahrzehnt hat sich dort die Geschäftsgrundlage auch rechtlich geändert. Formal bis 1993, aber eigentlich bis ins Jahr 2005, nämlich der Einführung der Fallpauschalen (DRG-System), galt praktisch das Kostenerstattungsprinzip mit tagesgleichen Pflegesätzen: Je länger ein Patient im Krankenhaus war, desto höher waren die Erlöse. Ab 2005 wurden fast alle Erlöse, mit Ausnahme der Psychiatrie, als Pauschale bezahlt. Je schneller ein Patient entlassen wurde, desto geringer waren die Kosten bei konstanten Erlösen pro Fall. De facto bedeutet diese Veränderung der Vergütungssystematik, dass aus Krankenhäusern Krankenhausunternehmen wurden, die profitabel oder defizitär sein können, und die deshalb nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden müssen.

Die Folge war, dass aus Krankenhausverwaltern Manager werden mussten. Die Folge war aber auch eine Sprachlosigkeit zwischen Ärzten und Managern. In der alten Welt der Medizin 1.0 waren die Aufgaben einfach zuordenbar: Ärzte waren zuständig für gute Medizin und Kaufleute für alles, was nicht Medizin ist. In der neuen Welt müssen sich Ärzte und Kaufleute gemeinsam auf die Medizin konzentrieren, auf die Optimierung der Prozesse, und beide müssen die jeweiligen methodischen und technischen Stärken einbringen. Eine neue Art der Zusammenarbeit ist erforderlich, und eine neue Art der Kommunikation.

Das zentrale Problem der Zusammenarbeit ist die Sprachfähigkeit herzustellen. Wer das am schnellsten schafft, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Medizin 3.0 ist die Summe der Antworten auf die Frage „Wie kann man die Medizin strukturierter und dadurch auch patienten-zentrierter machen?“. Die Antworten lassen sich dabei aus unserer Sicht im Wesentlichen in zwei Ansätze teilen: